Salbei und das Loslassen

Wenn ich auf meinen Küchentisch blicke, sehe ich zwei Vasen. In der einen stecken Tulpen. Ihre Farben leiten die immer wärmer werdenden Tage ein. Die andere Vase ist eigentlich ein kleines Schnapsglas, in dem die gepflückten Blumen meiner Kinder stecken. Liebevoll, mit ihrem eigenen Taschenmesser, haben sie kleine Pflanzenstängel gesammelt – Frühblüher und ein kleiner Salbei ist auch dabei. Ich zereibe die Blätter zwischen meinen Fingern.

Ich liebe diesen Duft! Herb, klar und erdend. Salbei wird seit Jahrhunderten für seine reinigenden Eigenschaften geschätzt – sowohl körperlich als auch mental. Aber was bedeutet eigentlich Loslassen?

Loslassen kann vieles sein:

  • zu erkennen, dass du an etwas festhältst,

  • anzuerkennen, dass Dinge nicht immer nach Plan laufen,

  • oder einfach etwas sein zu lassen – es anzunehmen und schließlich gehen zu lassen.

Salbei kann bunt sein: blau, grün, gelb und lila Stängel

Wenn ein Duft diesen Prozess unterstützt, ist das keine Esoterik – sondern Biochemie. Duftmoleküle interagieren mit dem limbischen System, dem Teil deines Gehirns, der Emotionen verarbeitet. Bestimmte ätherische Öle stimulieren die Ausschüttung von Neurotransmittern, die beruhigend, klärend oder stabilisierend wirken können.

Loslassen ist ein interessantes Konzept, und vielleicht hast du auch schon festgestellt, dass es leichter gesagt als getan ist. Um die Bedeutung dieses Begriffs besser zu verstehen, schaue ich mir gerne den Ursprung von Wörtern an. Oft gibt uns dies eine neue Perspektive und hilft, diffuse Konzepte greifbar zu machen.

Das Verb „lassen“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen (lazen) und Althochdeutschen (lazzan) und geht auf die germanische Wurzel læt-a- zurück. Ursprünglich bedeutete es „ermüden“ oder „erschlaffen“. Viele Zusammensetzungen wie loslassen, ablassen, verlassen, einlassen beziehen sich auf Bewegung oder Veränderung.





Was, wenn diese Müdigkeit, die uns zermürbt und ermüdet, ein Wegweiser für Veränderung ist?





Veränderung in der Natur: In der Stille geboren, im Wandel gereift, in Freiheit entfaltet.

Vielleicht bedeutet Loslassen nicht, dass etwas einfach verschwindet, sondern dass sich etwas daran verändert. Klar, manche Dinge müssen wir tatsächlich aus unserem Leben lassen – vor allem dann, wenn unser Wohl oder unsere Gesundheit gefährdet ist. Doch oft zeigt uns der Prozess des Loslassens, dass es nicht nur ums Wegwerfen/Entfernen geht, sondern auch um Akzeptanz und Transformation.

Auch in fernöstlichen Traditionen spielt Loslassen eine zentrale Rolle. Im Daoismus gibt es das Konzept Wu Wei: Dinge geschehen lassen, anstatt sie zu erzwingen. Handeln durch Nicht-Handeln. Es geht nicht um Passivität oder fehlenden Ehrgeiz. Die Wu Wei-Philosophie bedeutet nicht Untätigkeit, sondern ein tiefes Vertrauen in den richtigen Moment des Handelns.

Auch in anderen Traditionen wird Loslassen als heilender Prozess gesehen. Atemtechniken aus dem Yoga können helfen, körperliche Anspannungen loszulassen, während Akupunktur darauf abzielt, energetische Blockaden loszulasen. Die Yoga-Philosophie lehrt uns, Gedanken, Erwartungen und Besitz loszulassen, um innere Ruhe zu finden.

Der Schlüssel ist, in diesen Praktiken das Loslassen nicht als Flucht oder Vermeidung zu verstehen, sondern als einen aktiven Schritt in Richtung innerer Balance und Wohlbefinden.

Getrockneter Salbei eignet sich gut zum Räuchern


Salbei: Kraft für sensible Menschen

Viele hochsensible Menschen haben das Gefühl, dass sie schnell überwältigt sind – von Reizen, Emotionen oder Erwartungen. Salbei kann hier eine Stütze sein. Seine biochemischen Eigenschaften zeigen, dass er:

  • das Nervensystem beruhigen kann,

  • mental klärend wirkt,

  • eine stabilisierende Wirkung auf dünnhäutige Menschen hat.

Oft tragen wir nicht nur unsere eigenen Emotionen, sondern auch generationsübergreifende Muster in uns. Studien zeigen, dass Traumata in unserer DNA gespeichert sein können – Gefühle wie Angst oder Unsicherheit müssen nicht zwingend aus deiner eigenen Erfahrung stammen.

Vielleicht spürst du eine tief verankerte Skepsis, wenn es um die Nutzung von Pflanzenheilkunde geht. Jahrhunderte lang wurde das Wissen um Kräuter unterdrückt und mit Misstrauen betrachtet. Doch jetzt haben wir die Möglichkeit, es bewusst und selbstbestimmt wieder in unser Leben zu integrieren.







Deine eigene Aromatherapie: Fühlen statt Denken

Lass die Erwartungen los – an dich selbst, an ätherische Öle, an das, was du glaubst, wie Aromatherapie „sein sollte“.

Rieche an Salbei. Mische ihn mit einem frischen Zitrusduft. Beobachte, was geschieht. Ohne Bewertung. Einfach fühlen und spüren.

Salbei als Tee: Wärme für Körper und Geist

Salbeitee ist weit mehr als ein klassisches Hausmittel gegen Halsschmerzen. In vielen Kulturen wird er für seine erdende und reinigende Wirkung geschätzt. Er kann helfen, innere Unruhe zu mildern und Klarheit zu schaffen – besonders für Menschen, die viel „im Kopf“ sind.

Ein Tee aus Salbeiblättern kann:

  • die Stimme beruhigen und bei Heiserkeit unterstützen,

  • das Verdauungssystem harmonisieren,

  • dabei helfen, gedanklichen Ballast loszulassen.

Tipp für eine sanfte Teepause: Übergieße ein paar frische oder getrocknete Salbeiblätter mit heißem, nicht kochendem Wasser und lasse den Tee 5–10 Minuten ziehen. Falls dir der Geschmack zu intensiv ist, kannst du ihn mit Honig oder Zitronenmelisse abrunden.








Themen, die mit Salbei in Verbindung gebracht werden: Vertrauen, Reinigung, innere Kraft, Geduld und Hoffnung. Klingt nach etwas, das du gerade brauchen könntest?

Hinterlasse gern einen Kommentar: Welche Erfahrungen hast du mit Salbei oder anderen Düften gemacht? 

 

Todo Cambia" – gesungen von Mercedes Sosa. Ein Lied über den Wandel, sanft wie der Wind, tief wie die Zeit. Alles verändert sich – möge dieses Lied beim Loslassen unterstützen.

 

AufKlärung und Verantwortung

Ätherisches Salbeiöl ist ein starkes Pflanzenkonzentrat, das mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Es wird oft zur mentalen Klärung und für rituelle Reinigung genutzt. Doch nicht jeder sollte es anwenden:

  • Nicht empfohlen für Schwangere, Kinder und Menschen mit Epilepsie, da es stark wirken kann.

  • Wenn du gesundheitliche Fragen hast, besprich die Anwendung mit deinem medizinischen Team.

Ich selbst nutze ätherisches Salbeiöl und als Pflanze in meinem Alltag – als persönliche Erfahrung, nicht als Heilversprechen. Jeder Körper reagiert anders, und es liegt in deiner Verantwortung, achtsam mit dir selbst umzugehen.